[Christian Rhomberg] - Nach elf Jahren am Stück und insgesamt 20 Saisonen mit 552 Spielen muss sich der Feldkircher Fußballtraditionsverein Blauweiß nun aus der Regionalliga verabschieden. Und das ausgerechnet zum 65-Jahr-Jubiläum. Ihre besten Zeiten erlebten die Feldkircher Anfang der 70-er Jahre mit Topplatzierungen in der Regionalliga. 1949 sorgten sie bei ihrem ersten Landesligameistertitel für eine der spannendsten Entscheidungen in der Vorarlberger Fußballgeschichte überhaupt.
Alle Platzierungen von BW Feldkirch von 1945 bis 2010
Fußball gespielt wurde in Feldkirch dank englischer Studenten im ehemaligen Privatgymnasium Stella Matutina schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte nacheinander die Gründung von drei Fußballklubs in der Montfortstadt, die dann nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 in einen einzigen, politisch unabhängigen Verein zusammengeführt wurden. Der FC BW Feldkirch zählte von Beginn seiner Gründung an zu den Spitzenklubs im Vorarlberger Fußball, beendete gleich die erste Landesligasaison punktegleich mit dem ersten Nachkriegsmeister Austria Lustenau an zweiter Stelle und holte sich zwei Jahre später in einer bis heute an Spannung unübertroffenen Meisterschaftsentscheidung sensationell den Landestitel. Nach einem dramatischen 4:4 im letzten Spiel beim FC Dornbirn lagen Feldkirch, SW Bregenz und Austria Lustenau punktegleich an der Tabellenspitze, die Feldkircher und Bregenzer wiesen zudem das identische Torverhältnis auf. Es dauerte Stunden, bis Klarheit über den Landesmeister herrschte. Da Feldkirch in dieser hoch spannenden Saison 1947/48 nur zwei Niederlagen gegenüber drei der Bregenzer bezogen hatte, ging der Titel erstmals überhaupt ins Oberland.
Bereits ab 1950 spielten die Feldkircher bis auf wenige Jahre überregional, zuerst mit den besten Tiroler Klubs in der Arlbergliga und ab 1960 auch mit den Salzburger Topteams in der Regionalliga West. Die Infrastruktur dafür war bereits Anfang der 50-er Jahre mit der Errichtung des modernen Waldstadions geschaffen worden. Den bis heute besten Spieler verlor man 1956 an den Wiener Sportklub. Adi Knoll sollte dort zweimal österreichischer Meister werden, im Europacup auf die Real Madrid-Weltstars Alfredo di Stefano und Ferenc Puskas treffen und 21 Mal im Nationalteam spielen, mit dem er auch auf den Jahrhundertfußballer Pele traf. Zuhause in Feldkirch werden kleinere Brötchen gebacken, aber Anfang der 70-er Jahre schicken sich auch die Blauweißen zu Höhenflügen an. 1970 und 1972 klettert man jeweils auf den dritten Platz in der Westliga, 1971 wird Feldkirch sogar Vizemeister der Regionalliga und muss sich im Kampf um den Aufstieg in die Staatsliga (heute Bundesliga) nur Bischofshofen beugen.
Sportlich magerere Jahre folgten, in den 90-er Jahren sogar der kurzfristige Absturz in die 1. Landesklasse. Doch ab 1997 erfolgte mit den Meistertiteln in der Landes- und Vorarlbergliga der Durchmarsch zurück bis in die Regionalliga, der BW Feldkirch in den vergangenen elf Jahren ununterbrochen angehörte. Drei fünfte Ränge ließen Erinnerungen an frühere erfolgreiche Zeiten aufkommen, dazu kam 2008 der Vorstoß bis ins Halbfinale des ÖFB-Pokalwettbewerbs. Aber schon in der vorjährigen Saison war der Abstieg aus der Westliga nur mit viel Glück in der allerletzten Runde gerade noch abgewendet worden, und heuer konnte die eklatante Niederlagenserie in der zweiten Hälfte des Herbstdurchgangs auch durch eine passable Rückrunde nicht mehr wettgemacht werden.